Auf der Suche nach dem Schweizer Nachtessen Café complet: 10. August 2012, Ecke Spitalstraße

10. August 2012, Ecke Spitalstraße

Nach zwei Tagen am Rheinufer wechseln wir den Ort und richten unseren Abendbrottisch auf einer großflächigen Straßenecke in unmittelbarer Nähe zum Universitätsspital ein. Hier sind wir schon von weitem sichtbar und auch der vorbeirauschende Verkehr wird auf uns aufmerksam. Bus-,  Auto- und Velofahrer grüßen amüsiert. Wir ernten Schmunzeln, ungläubige und interessierte Blicke oder werden gar nicht erst wahrgenommen, obwohl wir sehr prominent – fast wie auf einer Bühne – die Straßenecke bespielen. Viel höher als am Rhein ist hier das Schritttempo der Vorbeieilenden. Man schlendert nicht, sondern eilt geschäftig vorbei. Ein Passant möchte unsere Wurst kaufen; nur wenige Menschen können wir dazu bewegen, an unserem Abendbrottisch zu verweilen. Diese Begegnungen sind dann aber intensiv und eine endet mit einer Einladung zum Nachtmahl noch für den heutigen Abend.

„Café complet? Das kenne ich nicht. Was soll das sein?“ (fragt Risto K., der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt und ursprünglich aus Finnland kommt. Obwohl er uns mit dem Café complet nicht weiterhelfen kann und auch unser Wurstbrot ablehnen muss, weil er kein Fleisch isst, sprechen wir lange und ausgiebig über Essgewohnheiten, kulturelle Gepflogenheiten, Erziehung und natürlich über „Luonas“ –  so heißt das Abendbrot auf Finnischen. Nach dieser wirklich sehr netten Begegnung bleibt vor allem eine Abendbrotgeschichte haften, die Risto zum Besten gibt: Als Vater habe er großen Wert darauf gelegt, seine Kinder ohne Spielzeugwaffen aufwachsen zu lassen. Insbesondere sein Sohn sei damit aber ganz und gar nicht einverstanden gewesen. Eines Tages beim Nachtessen habe der Sohn intensiv an einem großen, kreisrunden, finnischen Knäckebrot genagt. Plötzlich habe er dem Vater das entstandene Knabbergebilde strahlend unter die Nase gehalten: „Schau mal, ein Gewehr.“ Heute trage der Sohn täglich eine Waffe – als Polizist der Basler Polizei…)

„Ja, mit dem Café complet kenne ich mich aus – das gab es bei uns früher täglich. Als Kind habe ich allerdings Kakao statt Kaffee bekommen. Auch heute essen wir abends in der Regel kalt, aber Café complet sagen wir dazu nicht mehr. Was das frühere Nachtessen vom heutigen unterscheidet, ist wohl, dass man nicht mehr das Brot in den Kaffee tunkt.“   (Junge Mutter mit Säugling und Kleinkind, die uns spontan zum Nachtessen einlädt. Das freut uns sehr, sind wir doch am Tag zuvor eingeladen und dann – aus terminlichen Gründen – wieder ausgeladen worden sind. „Ich habe keine Zeit mehr, etwas Besonderes vorzubereiten – es wird ein alltägliches Nachtessen.“ Genau das ist es, was wir uns wünschen!)

 

 

 

 

 

Kategorie: Allgemein, Café complet Kommentieren »


Kommentar schreiben

Kommentar