Auf der Suche nach dem Schweizer Nachtessen Café complet: Donnerstag 23. August, 20 Uhr, Privat zu Gast

Donnerstag, 23. August 2012, 19.30 Uhr, zu Gast bei Katharina

Zu unserer letzten Abendbroteinladung in Basel nehmen wir heute eine „Ahle Worscht“ als Gastgeschenk mit und machen uns wieder auf den Fußweg nach Kleinbasel. Bei Katharina, die wir am Wettsteinplatz kennengelernt haben, wartet schon der gedeckte Abendbrottisch auf ihrem handtuchschmalen Balkon auf uns. Gemeinsam mit ihrer zehnjährigen Tochter Sophie rücken wir eng an einem Tisch zusammen, der von einer großen Schüssel Bircher Müsli und ungewöhnlich schönen Schalen dominiert wird. Letztere hat Katharina auf einem Flohmarkt in Odessa erworben, wo ihre große Tochter studiert.

Wir freuen uns über das erste Bircher Müsli, das wir zu einem Café complet serviert bekommen. Dazu gibt es Waliser Brot, selbstgemachte Quittenmarmelade und Tee – keinen Kaffee. „Für mich ist seit Kindertagen ein kaltes Nachtessen ein Café complet – dazu gehört alles Mögliche, aber kein Kaffee, auf keinen Fall Kaffee“, sagt Katharina, die lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Aus dieser Zeit erinnert sie zwei Unterschiede im Vergleich der Abendbrotkultur: „Mir waren bis dahin die Abendbrotbrettchen völlig unbekannt, die es in Deutschland in unterschiedlichsten Formen gibt. Außerdem kenne ich aus der Schweiz einen anderen Umgang mit dem Butterbrot – nicht die ganze Scheibe wird mit Butter bestrichen und dann belegt, sondern Bissen für Bissen schmiert man ein bisschen Butter auf das Brot und bestückt es entsprechend mit mundgerechten Häppchen Käse oder Wurst. Das ist natürlich auch die eher bürgerliche Art, das Brot zu essen.“

Als Sophie ins Bett muss, rückt Janina, Katharinas Mitbewohnerin, an den Abendbrottisch nach – mit einem Teller duftender Kürbissuppe mit Zucchini nimmt sie Platz. Sie arbeitet als Deutsche in der Schweiz und hat den Begriff Café compet noch nie gehört. „Ich esse abends aber ohnehin meistens warm.“

Katharina macht uns an diesem Abend gleich dreifach Bircher Müsli-Freuden: mit einer persönlichen Geschichte, ihrem leckeren Müsli-Rezept und einem, für die Herstellung dieser schweizer Spezialität, unerlässlichen Utensil.

Katharinas Geschichte: Mit dem Bircher Müsli ist ihre Herkunft auf besondere Weise verknüpft. Die Mutter ihres Vaters hat seinerzeit ein Treffen zwischen ihren zukünftigen Eltern „angebahnt“, bei dem der Sohn, dessen Entlobung gerade vorausgegangen war, eine neue (progressive) Frau kennenlernen sollte. Diese hat sich auf Nachfragen der Großmutter als Speise zu dieser allerersten Zusammenkunft ein Bircher Müsli gewünscht.

Katharinas Bircher-Müsli-Rezept: Haferflocken in Wasser einweichen, zu den gequollenen Flocken später Joghurt, etwas saure Sahne, geraspelte Äpfel, geschnittene Nektarinen und Himbeeren geben.

Katharinas Präsent: eine original Bircher-Raspel (!) zum Reiben der Äpfel. Als Beleg, dass es sich um die echte Reibe handelt, zeigt sie ihre formgleiche, geerbte Familienraspel, die die Aufschrift: „Original Dr. Bircher“ trägt.

Wir verlassen Katharina nach einem sehr schönen Nachtessen mit Gesprächen über die Kunst, das Schreiben, eigene Häuser und Ställe und das bedingungslose Grundeinkommen. Mit auf den Weg gibt uns Katharina noch den wunderbaren Begriff „Uffgschtellts“. Eine Bezeichnung für das Nachtessen in der Innerschweiz – man stellt auf den Tisch, was Küche und Kühlschrank hergeben.

Wir danken Katharina für ihre Einladung und ein besonderes Abendessen wie unter Freunden.

Kategorie: Allgemein, Café complet, Zu Gast: Abendbrotforschung privat Kommentieren »


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