Kategorie: Abendbrotkongress


ABENDBROTKONGRESS im Rahmen des Symposiums „Out of the Blue, Vom Provisorium bis zur Improvisation“

24. Oktober 2017 - 22:46 Uhr

Der Tag kommt auf den Tisch
28.10.2017, 19:30 bis 22:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt (Berlin)

Wir bitten an den Tisch zu Brot, Butter und belegenden Begleitern. Situiert mitten im Geschehen eines Symposiums, das die Facetten der Improvisation in den Blick nimmt, ist ein Abendbrot goldrichtig. Denn das kalte Abendessen heißt im Alltag häufig: Improvisieren auf der abgezirkelten Fläche des Küchentischs. Als komponentenreiche Collage zeigt sich jedes Abendbrot als mehr oder weniger spontane Mahlzeit – als Zusammenspiel individueller Vorlieben, zur Verfügung stehender Beläge und den Einfällen des Appetits. So begreift sich auch der Abendbrotkongress in bekömmlicher Weise als improvisierendes Gesamtgeschehen. Er verzichtet auf Tagesordnungspunkte und bietet die Möglichkeit, den vergangenen Tag auf den Tisch zu bringen. Wir werden uns darum reißen, die Atmosphäre geschmacklich zu prägen, unsere Gäste ins vollmundige Gespräch zu bringen und bei einer einfachen Mahlzeit auf den Punkt zu kommen.

Wer den eigenen Abendbrotteller und Besteck mitbringt (dies ist eine freundliche Aufforderung!) hat einen sicheren Platz am Tisch, wer ohne Teller kommt, muss mit einem Provisorium auskommen. Herzlich eingeladen sind alle: Improvisateure aus Leidenschaft und Not, Abendbrotliebhaber wie -skeptiker, Diskussionswütige wie stille Esser. Um ein pünktliches Erscheinen wird gebeten.

Link zur UdK Berlin

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Von Scheiblettenkäse und Scherzelpraktiken

4. Oktober 2017 - 23:52 Uhr

 

2. September 2017: Der KLEINE ABENDBROTKONGRESS ist zu Gast an besonderem und gleichermaßen passendem Ort – im Ausstellungshaus des Eat-Art Künstlers Daniel Spoerri in Niederösterreich. Haupttagesordnungspunkt des Kongresses, der in diesem Format zum dritten Mal stattfindet, ist das Thema KÄSE. Im beeindruckend großzügigen Veranstaltungssaal über dem „Esslokal“ in Hadersdorf am Kamp füllt sich gegen 19 Uhr die lange Tafel. Gemeinsam mit den einladenden Abendbrotforschern, Ingke Günther und Jörg Wagner, nehmen der Käseexperte Robert Paget sowie hungrige Gäste aus der Region und dem nicht allzu fernen Wien am gedeckten Tisch Platz. Zur besonderen Freude aller Beteiligten nimmt sich auch Daniel Spoerri die Zeit, an der Aktion teilzunehmen – was selbstredend zur besonderen Atmosphäre des Abends beiträgt.

Aufgetischt und verzehrt wird u.a.: selbst gebackenes Roggen- und Weizensauerteigbrot (Jörg Wagner), „Ahle Worscht“ (Import aus Mittelhessen), eine schmackhafte Käseauswahl (Ziegenfrischkäse, Taleggio und Camembert aus der Hofkäserei Robert Paget), Grüner Veltliner (Turmhof, Hadersdorf), Milch und Butter (Milchhof Langschlag), hartgekochte Eier (muntere Hühner der Region).

Nach einem kurzen, aber bildreichen Einblick in das seit 2009 fortlaufende Projekt FELDFORSCHUNG ABENDBROT kommt der Käse auf den Tisch – wortwörtlich und voller Leidenschaft präsentiert vom Experten am Tisch. Robert Paget, Betreiber der gleichnamigen Hofkäserei in Diendorf am Kamp, die für ihre Büffel- und Ziegenkäse-Spezialitäten weit bekannt ist, führt in seinen Käsekosmos ein. Auch wenn Robert Paget von sich sagt, er sei kein Abendbrotesser und ihm liege, wenn es um Brot und Käse geht, eher die Jause als Zwischendrin-Mahlzeit näher, so kann wohl keiner mit mehr Leidenschaft von der Käsefertigung berichten.

Mit der Frage „Was ist ein gutes Käsebrot?“ führt er ins Thema ein. Anhand eines wahrhaftigen Scheibenkäsebergs und einem Teller exquisiter Käseauswahl, die einen zeitlichen Spannungsbogen von jungem Ziegenfrischkäse bis zu siebenjährigem Camembert aufmacht, demonstriert er bildhaft den Wandel seiner eigenen Käsevorliebe. Früher waren satte Scheibenschichten fragwürdiger Herkunft „gut“, heute ist es der feine Käse. Lebendig berichtet er von seinen prägenden Käseerfahrungen in Frankreich und seiner Haltung, die sich dadurch auszeichnet, den Dingen Zeit zu lassen. Der Handarbeit räumt er in der eigenen Käseherstellung einen besonderen Stellenwert ein,  verzichtet nach Möglichkeit auf Maschinen, setzt auf Haptik und ermöglicht es sich so, mit seiner Käseproduktion auch mobil zu sein. Gut ist für Paget allein, was er selbst als gut empfindet.

Kunden, die sich aufspielen, schickt er gerne erst mal in den Stall – der direkte Kontakt zu den Tieren (Wasserbüffel, Schweine, Ziegen) „holt sie alle runter“. Er ist einer der wenigen Landwirte der Region, der noch Tiere hat, mit seinen Wasserbüffeln ist er in Österreich sogar alleine. „Die Monokultur hier, wo inzwischen auf jedem freien Flecken Wein angebaut wird, hat auch ihre Nachteile.“ Wert legt Paget auf Versuch und Irrtum – es darf auch einmal etwas nicht gelingen. „Das macht gar nichts. Bei mir verkommt ohnehin nichts – wenn man Schweine hat, wird nicht weggeschmissen.“

An der langen Tafel verkommt auch nichts – nach intensiven Gesprächen werden später am Abend Brot-, Wurst- und Käsereste unter den Gästen aufgeteilt. An manchem Frühstückstischen werden mit diesen schmackhaften Erinnerungshilfen wohl noch manche Gedanken zum Nachklingen gebracht werden.

Kongressgästen auf den Mund geschaut:

„In Frankreich kennt man kein Käsebrot. Es gibt den Begriff nicht und auch nicht das belegte Brot als solches. Man isst Käse. Käse – und dazu gibt es dann vielleicht Brot.“

„Ein gutes Käsebrot war früher mit Scheibletten-Käse belegt. Und ein gutes Käsebrot bestand nicht aus einer oder zwei Scheiben, sondern aus möglichst vielen Lagen. Zuvor musste man den Käse ausziehen, also von den Plastikhüllen befreien. Dick belegt auf Gummibrot, das war ein gutes Käsebrot.“

„Was ist der Unterschied zwischen dem Abendbrot und einer Jause? Man isst vielleicht das Gleiche – aber das eine ist ausgedehnt und beschließt den Abend, das andere ist wohl eher eine Pause, etwas Kleineres, eine Zwischendrin-Mahlzeit, etwas das auch unterwegs funktioniert. Ich kann mir ein schweres und langes Abendbrot am Abend nicht leisten, weil ich abends noch arbeiten muss. Zudem essen wir abends warm – meine Frau ist Französin.“

„Ich glaube, dass es einen großen Unterschied zum Abendessen auf dem Land und dem in der Stadt gibt. In Wien kenne ich kaum Leute, die abends klassisch Abendbrot essen.“

Berichtet wurde zudem von drei unterschiedlichen Scherzel-Praktiken (Scherzel = österr. für Knust/Endstück), die vermeiden, dass es ein begehrtes, weil frisches und ein unbeliebtes, weil hartes Endstück gibt: 1. Das Brot wird von beiden Seiten gleichzeitig angeschnitten, 2. das Brot wir zu Beginn in der Mitte geteilt, 3. das Brot wird rundherum angeschnitten, um möglichst viele Scherzel zu erhalten!

Und ein Nachklang:

„Wir merken heute, wie sehr das Erleben des Abends nachwirkt. In der scheinbaren ‚Einfachheit‘ liegt der besondere Schatz. Ein Abendbrot ist per se etwas Natürliches, etwas Alltägliches. Dieses wurde bewusst aus dem alltäglichen Erleben hervorgehoben und damit zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich glaube, darin liegt ein Schatz des Lebens verborgen: die Reichtümer des Lebens nicht als alltägliche Routine, sondern als täglich neues Geschenk sehen zu lernen. Der gestrige Abend besticht und fasziniert durch seine Einfachheit, Qualität und Natürlichkeit. (…)“

 

Vielen Dank an Bernd Sieber für die folgenden Bilder – cameracut OG

 

 

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Der „Kleine Abendbrotkongress“ zu Gast im Ausstellungshaus Spoerri

1. August 2017 - 15:17 Uhr

 

2. September 2017, 19 Uhr

Veranstaltungssaal über dem Esslokal, Hauptplatz 16, Hadersdorf am Kamp (A)

Gastgeber: Ingke Günther & Jörg Wagner

Haupttagesordnungspunkt: KÄSE

Experte am Tisch: Robert Paget (Käsehersteller)

Der kleine Abendbrotkongress schmilzt das Format der Tagung auf die Größe eines Abendbrottischs zusammen. Die „Zusammenkunft von Personen, die in einem speziellen Themenbereich arbeiten“ (Wikipedia) widmet sich um in eine Gesellschaft, die gemeinsam Brot aufschneidet und belegt, zusammen speist und sich austauscht. Experten des Alltags – denn wer hat keine Abendbroterfahrungen? – treffen sich und teilen ihr Abendbrotwissen. Nachdem beim Abendbrotkongress bislang der Hauptdarsteller Brot und das Bäckerhandwerk im Zentrum standen, widmet sich die Veranstaltung in Niederösterreich nun dem KÄSE. Als Experte vor Ort konnte der Betreiber der Hofkäserei Robert Paget in Diendorf am Kamp gewonnen werden.

Der kleine Abendbrotkongress, ausgedacht und moderiert von den bildenden Künstler*innen Ingke Günther & Jörg Wagner, die seit 2009 das Projekt Feldforschung Abendbrot betreiben, ist als fortlaufende Reihe angelegt. Zum Kleinen Abendbrotkongress in Hadersdorf sind nun alle eingeladen, die Freude an der kalten Abendspeise haben. Die Abendbrotforscher möchten in diesem Rahmen über ihr Projekt berichten, den Tisch decken, gemeinsam mit Gästen wie Experten speisen und in ein lebendiges Gespräch kommen.

Die Veranstaltung ist auf 25 Personen begrenzt. Eine Anmeldung ist bis zum 31.08.2017 im Ausstellungshaus Spoerri erforderlich.

www.bufala-connection.at

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Kleiner Abendbrotkongress, BROT die Zweite

1. Oktober 2013 - 00:24 Uhr

Kleiner Abendbrotkongress, BROT die Zweite

Ein kleiner Abendbrotkongress an ungewöhnlichem Ort: im Rahmen der Ausstellung „Himmelsbrot“ werden Abendbrottische im Hauptschiff der Epiphaniaskirche im Frankfurter Nordend eingedeckt. Ahle Wurst, Käse, Butter und Gürkchen versammeln sich auf den Tischen, die im Bereich unterhalb der Orgel aufgereiht alle Gäste willkommen heißen.  Der Abendbrotkongress beginnt, nachdem sich die Kongressteilnehmer mit den nötigen Arbeitsunterlagen (dreierlei BROT) eingedeckt und Platz genommen haben. Auf dem Expertenpodium – in diesem Falle einer Kirchenbank – hoffen die Abendbrotforscher und Bäckermeister Björn Schwind aus dem Stadtteil auf anregende Gespräche, die sich jedoch rasch und wie von selbst einstellen.

Der Stadtbäcker wird zum Alltag in seinem „Laden“, der ambitionierten Biobäckerei „ZEIT FÜR BROT“, befragt. Er weiß von Modekrankheiten und darauf reagierenden Brotsorten, von produktbewusster Kundschaft und den grundsätzlichen Unterschieden einer Bäckerei im urbanen Umfeld  und einer auf dem Lande zu berichten. Weiter führt er die Vorteile der Teamarbeit aus, benennt die Problematik, in diesem Job gute Auszubildende zu bekommen und beschreibt den täglichen Spagat zwischen Qualität und ökonomischen Zwängen. Ein saftiges, wohlschmeckendes Brot gelinge vor allem dann, wenn es möglichst viel Wasser enthalte, erfahren die Brot schmierenden Teilnehmer. „Der Teig sollte feuchter sein, als Mitarbeiter und Maschinen es in der Verarbeitung mögen“, so der Bäckermeister. Und dass sich hinter dem Bäckereinamen „ZEIT FÜR BROT“ eine Haltung verbirgt, die wortwörtlich zu nehmen ist, versteht sich fast von selbst. Außerdem ergänzt Schwind: „Bei uns kaufen alle ein. Der Porschefahrer und der Öko-Öko. Auch wenn unser Brot hochpreisiger ist, kann es sich jeder leisten. Vielleicht nicht ständig, wenn man sparen muss. Aber zum Glück ist Brot kein Luxusartikel, und ich kann mich grundsätzlich für ein gutes Produkt entscheiden, wenn es mir wichtig ist.“

Hauptdarsteller neben unserem Experten sind an diesem Abend: Achtpfündiges Sauerteigbrot (Bäckerei Lutz / Kleinlinden), Vollkornbrot (ZEIT FÜR BROT / Frankfurt), helles Sauerteigbrot (vor Ort gebacken vom Abendbrotforscher Jörg Wagner). Ein großes Lob gilt heute insbesondere dem Vollkornbrot, das an Saftigkeit Seinesgleichen sucht!

Leider musste Alexander Lutz, Bäckermeister aus Kleinlinden, der an diesem Abend ebenfalls als Experte geladen war, kurzfristig absagen. Sehr bedauerlich! Das Sauerteigbrot aus seiner Backstube hat trotzdem vortrefflich geschmeckt und ihn vertreten.

Die Abendbrotforscher danken der Petersgemeinde und Pfarrer Andreas Hoffmann für die Gastfreundschaft und Björn Schwind für das angenehme, unaufgeregte Gespräch und die Einblicke in modernes Bäckerhandwerk im städtischen Kontext.

Den Kongressteilnehmern auf den Mund geschaut:

„Ich bin eigentlich ein Langschläfer und froh, inzwischen nicht mehr jeden Morgen früh raus zu müssen. So gerne ich in der Backstube bin, ich muss es zum Glück nicht mehr täglich sein.“ (B.Sch.)

„Heute ist das Brot oft schon trocken, kaum dass man es gekauft hat. Vom Geschmack ganz abgesehen.“ (T.H.)

 „Brot war bei uns früher etwas ganz Besonderes. Es wurde bekreuzigt, bevor es angeschnitten wurde. Brot wegzuschmeißen, war ein Frevel. Überhaupt altes Brot zu haben, hieß aber auch, dass man grundsätzlich GENUG Brot hatte. Eben genug, dass es überhaupt alt werden konnte.“ (C.G.)

„Ich bin ein Impulskäufer. Wenn mich ein Brot anlacht, kaufe ich‘s und esse es am liebsten auch gleich auf.“ (T.H.)

„Das helle Sauerteigbrot ist sehr gut geworden. Es ist schön speckig!“ (B.SCH.)

„Alle kennen die Disziplin, die früher am Abendbrottisch herrschte. Es gab schon frisches, wohlduftendes Brot, das aber noch nicht angeschnitten werden durfte. Erst mussten die alten Brotreste aufgegessen werden.“ (J.W.)

„In Frankreich müssen die Bäckereien gekennzeichnet sein und ausweisen, ob sie selbst Baguette backen oder es nur lagern. Wer nicht vor Ort bäckt, darf sich nicht boulangerie nennen.“ (T.V.)

„Ja, für meine Einkäufe brauche ich Zeit. Diesen Käse gibt es in einem sehr guten Käseladen in Gießen, die Wurst wieder in einem anderen. Auch für Obst und Gemüse habe ich meinen speziellen vertrauenswürdigen Dealer. Das Besorgen von guten Lebensmitteln fordert Wege und braucht Zeit.“ (J.W.)

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HIMMELSBROT

15. August 2013 - 10:55 Uhr

„HIMMELSBROT“

Ingke Günther + Jörg Wagner
Manfred Stumpf
8. bis 27. September 2013
Epiphaniaskirche Frankfurt/M.

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Ausstellungseröffnung: Sonntag, den 8. September 2013 um 11 Uhr
Die Ausstellung ist Mittwoch bis Freitag von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

18. September 2013, 19 Uhr
Kleiner Abendbrotkongress
Tagesordnungspunkt: BROT
Mit den Experten von Zeit für Brot (Frankfurt) und der Bäckerei Lutz (Gießen)
Essen und Gespräch zur „Feldforschung Abendbrot“ und Bäckerhandwerk

www.evangelische-akademie.de

Das gesammte Programm als PDF zum Download: ea himmelsbrot einladung mail

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Auf den Teller geschaut

5. Juni 2013 - 09:53 Uhr

Auf den Teller geschaut – Kleiner Abendbrotkongress

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Vom Bäckerhandwerk, Teiglingen, Tischmülleimern und Eiergitarren

2. Juni 2013 - 15:49 Uhr

Vom Bäckerhandwerk, Teiglingen, Tischmülleimern und Eiergitarren

Am 13. Mai versammeln sich 25 Menschen um den großen, eingedeckten Abendbrottisch im Gemeindehaus Lützellinden. Mit von der Partie sind Marco Langsdorf und Alexander Lutz, beide Bäckermeister im eigenen, seit mehreren Generationen geführten Familienbetrieb.

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Während die Gäste hartgekochte Eier schälen, Brote mit Schinken und Käse belegen, Tomaten mit Quark und Kresse garnieren oder Abendbrotbilder betrachten, kreisen die Gespräche um das Projekt der „Abendbrotforschung“ und den Beruf des Bäckers. Beide Bäckermeister berichten aus ihrem Arbeitsalltag, von den Belastungen der Nachtarbeit, den Schwierigkeiten einer handwerklichen Existenz neben den großen, industriell arbeitenden Backketten und dem damit zusammenhängenden Preisdruck, sie geben Einblick in Qualitätsfragen oder die Nachwuchsproblematik. Trotz der pessimistisch gefärbten Schilderungen, die ein sukzessives Sterben des Bäckerhandwerks beschreiben, sprechen beide vor allem mit Überzeugung und Stolz von ihrer Arbeit mit einem wichtigen Nahrungsmittel, für das sie mehr Wertschätzung einfordern.

Gute, am besten regional bezogene Produkte, die für die Teigführung nötige Zeit und Handarbeit führen zu einem Qualitätsprodukt, das, so sind sich beide Bäcker einig, auch am Geschmack zu erkennen ist. Die Abendbrotgäste, unter denen einige Hobbybäcker mit am Tisch sitzen, erfahren unter anderem wie Sauerteig auf traditionelle Weise haltbar gemacht werden kann, was doppelter Teigführung ist, warum die Bäcker in Frankreich das bessere Baguette herstellen, die Deutschen dagegen aber in ihrer Brotvielfalt unschlagbar sind. „Die Bäcker in Frankreich fangen um 7 Uhr an zu backen und sind spezialisiert auf ihr fantastisches und unschlagbares Weißbrot, das sie noch mehrmals am Tag frisch backen. Bei uns will man die Vielfalt, das dunkle und das helle Brot, die Brötchen und die Croissants, Laugengebäck und Kuchen – dies alles natürlich stets auch frisch. Wir fangen nachts an zu backen und sind morgens fertig mit allem. Nachmittags ist die Weißbrotstange dann nicht mehr ofenfrisch.“ Und ergänzend zum Spezialistentum führt Alexander Lutz aus: „Trotz der Anforderung immer alles zu bieten, setzen wir auf Spezialisierung. Nur so kann man gut sein. Bei mir gibt es nur eine kleine Auswahl an Kuchen. Außerdem muss es nachmittags auch keine frischen Brötchen mehr geben. Ich habe das Ziel, nach Ladenschluss so wenig wie möglich übrig zu haben.“

Auf die Frage, wie man als Laie die wenigen handwerklich arbeitenden Bäcker in der Region erkennen kann, bekommen die Gäste den Ratschlag vom Bäcker Langsdorf: „Einen guten Bäcker, der noch Berührung mit dem Teig hat, erkennt man daran, dass das Brot NICHT jeden Tag gleich aussieht. Bei meinen Broten schwankt die Form bisweilen ziemlich. Sie ist abhängig vom Wetter, dem Zeitdruck in der Backstube, den Zutaten und letztendlich auch von meiner Tagesform. Sieht das Brot immer haargenau gleich aus, kann man davon ausgehen, dass es aus einer industriellen Produktion mit immer gleichen Maschineneinstellungen kommt.“ Und er ergänzt an anderer Stelle: „Wenn man bei Aldi oder Lidl für 0.89 € ein Brot kauft und dann gegenüber einen Kaffee für 1.50 € trinkt, dann stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Keiner gibt so wenig Geld für Nahrungsmittel aus wie die Deutschen. Da muss ein Umdenken einsetzen.“

Die abschließende Empfehlung der Abendbrotforscher: Die tollen Brötchen sowie Butterloch- und Streuselkuchen beim Bäcker Lutz in Kleinlinden probieren und das 1-A-Sauerteigbrot bei Langsdorf in Lützellinden! Dieses begleitet die Abendbrotforschung schon seit geraumer Zeit und hat bisher allenthalben überzeugt.

Beiden Bäckermeistern danken wir für die spannenden Ausführungen in einer neugierigen Abendbrotrunde, deren Wertschätzung für ihre guten Produkte ihnen gewiss sein kann!

Belauschte Tischgespräche am Rande:

„Ich weiß nie wohin mit den Essensabfällen und bin dafür, dass es auch auf privaten Abendbrottischen einen Tischmülleimer gibt.“ (G.S.) „So ein Quatsch, dafür kann man doch einen Teller oder ein Schälchen nehmen. Mülleimer gehören nie und nimmer auf den Tisch. Das ist auch in Hotels daneben.“ (J.W.)

„Ihr habt Silberzwiebeln, die schmecken, wie Silberzwiebeln schmecken müssen – nicht zu sauer, fast ein bisschen süß – genau richtig. Wie früher!“ (F.R.-S.)

„Kürzlich habe ich erfahren, wie man diese Eierschneider hier auch nennt.“ „Wie denn?“ „Eiergitarren.“ (G.R.)

„Das ist das perfekte Abendbrot: dunkles Brot, Leberwurst, eine saure Gurke und ein Bier dazu. Bier MUSS dazu einfach sein!“ (U.R.)

„Ich erinnere mich an die Resopal-Brettchen aus meiner Kindheit. Oft waren die schon völlig zerschnitten und unansehnlich. Man mochte die aber nur Zuhause gerne. Woanders fand ich sie eklig. Oft rochen sie auch so komisch.“ (G.R.)

„Erstaunlich, wie unterschiedlich die Leberwurst-Praxis ist! Ich konnte beobachten, wie Tischnachbarn immer fein säuberlich das Ende abgeschnitten haben. Andere haben sich ganz selbstverständlich tief in die Wurst eingegraben und das lümmelige Pellen-Enden nicht abgeschnitten.“ (I.R.)

„Wie geordnet und ästhetisch die anderen Teller aussehen. Bei mir ist totales Chaos.“ (K.v.P.)

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Kleiner Abendbrotkongress – tagesordnungspunkt eins: BROT

2. Juni 2013 - 15:48 Uhr

Kleiner Abendbrotkongress

tagesordnungspunkt eins: BROT

Der kleine Abendbrotkongress schmilzt das Format der Tagung auf die Größe eines Abendbrottischs zusammen. Die „Zusammenkunft von Personen, die in einem speziellen Themenbereich arbeiten“ (Wikipedia) widmet sich um in eine Gesellschaft, die gemeinsam Brot aufschneidet und belegt, zusammen speist und sich austauscht. Experten des Alltags, denn  alle haben Abendbroterfahrungen, treffen sich und teilen ihr Abendbrotwissen.

Den Auftakt der Kongressreihe bestreitet der Hauptdarsteller des Abendessens: das

BROT.

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In schier unendlichen Sorten, mit regionalen Besonderheiten und in unterschiedlicher Gestalt  bereichert das Brot die kulturelle Besonderheit des deutschen Abendbrots. Begleitet von seinen belegenden Begleitern, Wurst und Käse, macht es die kalte Feierabendendmahlzeit zum komponentenreichen Speise, zur vielfältigen, essbaren Collage. Als Lobbyisten und Experten dieses Grundnahrungsmittels werden zum ersten Abendbrotkongress Vertreter des Bäckerhandwerks mit am Abendbrottisch sitzen.

Der kleine Abendbrotkongress, ausgedacht und moderiert von Feldforschung Abendbrot ist als fortlaufende Reihe angelegt und wird vom Heimatdorf der Abendbrotforscher ausgehend weitere Kreise in unterschiedliche Städte und deutschsprachige Regionen ziehen.

Experten: Marco Langsdorf (Bäckermeister, Lützellinden) und Alexander Lutz (Bäckermeister, Kleinlinden)

1. Kongress-Ort: Gemeindesaal Lützellinden, Zum Dorfplatz 6, Gießen

Abendbrottermin: Montag, der 13. Mai um 19 Uhr

Weitere Termine zu den Abendbrot-Themen „Käse“, „Wurst“, „Messer“ oder „Tisch decken“ sind in Planung.

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