Kategorie: Zu Gast: Abendbrotforschung privat


Auf der Suche nach dem Schweizer Nachtessen Café complet: Donnerstag 23. August, 20 Uhr, Privat zu Gast

24. August 2012 - 02:15 Uhr

Donnerstag, 23. August 2012, 19.30 Uhr, zu Gast bei Katharina

Zu unserer letzten Abendbroteinladung in Basel nehmen wir heute eine „Ahle Worscht“ als Gastgeschenk mit und machen uns wieder auf den Fußweg nach Kleinbasel. Bei Katharina, die wir am Wettsteinplatz kennengelernt haben, wartet schon der gedeckte Abendbrottisch auf ihrem handtuchschmalen Balkon auf uns. Gemeinsam mit ihrer zehnjährigen Tochter Sophie rücken wir eng an einem Tisch zusammen, der von einer großen Schüssel Bircher Müsli und ungewöhnlich schönen Schalen dominiert wird. Letztere hat Katharina auf einem Flohmarkt in Odessa erworben, wo ihre große Tochter studiert.

Wir freuen uns über das erste Bircher Müsli, das wir zu einem Café complet serviert bekommen. Dazu gibt es Waliser Brot, selbstgemachte Quittenmarmelade und Tee – keinen Kaffee. „Für mich ist seit Kindertagen ein kaltes Nachtessen ein Café complet – dazu gehört alles Mögliche, aber kein Kaffee, auf keinen Fall Kaffee“, sagt Katharina, die lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Aus dieser Zeit erinnert sie zwei Unterschiede im Vergleich der Abendbrotkultur: „Mir waren bis dahin die Abendbrotbrettchen völlig unbekannt, die es in Deutschland in unterschiedlichsten Formen gibt. Außerdem kenne ich aus der Schweiz einen anderen Umgang mit dem Butterbrot – nicht die ganze Scheibe wird mit Butter bestrichen und dann belegt, sondern Bissen für Bissen schmiert man ein bisschen Butter auf das Brot und bestückt es entsprechend mit mundgerechten Häppchen Käse oder Wurst. Das ist natürlich auch die eher bürgerliche Art, das Brot zu essen.“

Als Sophie ins Bett muss, rückt Janina, Katharinas Mitbewohnerin, an den Abendbrottisch nach – mit einem Teller duftender Kürbissuppe mit Zucchini nimmt sie Platz. Sie arbeitet als Deutsche in der Schweiz und hat den Begriff Café compet noch nie gehört. „Ich esse abends aber ohnehin meistens warm.“

Katharina macht uns an diesem Abend gleich dreifach Bircher Müsli-Freuden: mit einer persönlichen Geschichte, ihrem leckeren Müsli-Rezept und einem, für die Herstellung dieser schweizer Spezialität, unerlässlichen Utensil.

Katharinas Geschichte: Mit dem Bircher Müsli ist ihre Herkunft auf besondere Weise verknüpft. Die Mutter ihres Vaters hat seinerzeit ein Treffen zwischen ihren zukünftigen Eltern „angebahnt“, bei dem der Sohn, dessen Entlobung gerade vorausgegangen war, eine neue (progressive) Frau kennenlernen sollte. Diese hat sich auf Nachfragen der Großmutter als Speise zu dieser allerersten Zusammenkunft ein Bircher Müsli gewünscht.

Katharinas Bircher-Müsli-Rezept: Haferflocken in Wasser einweichen, zu den gequollenen Flocken später Joghurt, etwas saure Sahne, geraspelte Äpfel, geschnittene Nektarinen und Himbeeren geben.

Katharinas Präsent: eine original Bircher-Raspel (!) zum Reiben der Äpfel. Als Beleg, dass es sich um die echte Reibe handelt, zeigt sie ihre formgleiche, geerbte Familienraspel, die die Aufschrift: „Original Dr. Bircher“ trägt.

Wir verlassen Katharina nach einem sehr schönen Nachtessen mit Gesprächen über die Kunst, das Schreiben, eigene Häuser und Ställe und das bedingungslose Grundeinkommen. Mit auf den Weg gibt uns Katharina noch den wunderbaren Begriff „Uffgschtellts“. Eine Bezeichnung für das Nachtessen in der Innerschweiz – man stellt auf den Tisch, was Küche und Kühlschrank hergeben.

Wir danken Katharina für ihre Einladung und ein besonderes Abendessen wie unter Freunden.

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Auf der Suche nach dem Schweizer Nachtessen Café complet: Mittwoch 22. August, 20 Uhr, Privat zu Gast

24. August 2012 - 02:08 Uhr

Mittwoch, 22. August 2012, 20 Uhr, zu Gast bei Annabel und Hans

Die Einladung zum heutigen Nachtessen stammt von einem echten Café complet-Experten und geht auf unsere Abendbrotstation am Rheinufer zurück – dort  haben wir unseren Gastgeber Hans kennen gelernt. In Badehose trat er amüsiert an unseren Abendbrottisch heran und sagte: „Café complet? Das mache ich jeden Abend. Den Kaffee lasse ich allerdings inzwischen weg.“

Nun sind wir bei ihm und seiner Frau Annabel eingeladen und setzten uns an den bereits mit Bedacht gedeckten Tisch. Bei geöffneten Fenstern blicken wir auf den Rhein. Wie angekündigt haben die beiden auf den früher obligatorischen Kaffee verzichtet und bieten uns ein Nachtessen an, wie sie es auch sonst im Alltag jeden Abend gemeinsam einnehmen: Brot, Butter und eine Auswahl an Käse, Salat und Obst. Dazu einen Apfelmost und Wasser, manchmal einen Wein, den es auch heute gibt. Besonders der Salat aus fleischigen, geschälten Tomaten, Avocado und Rucola schmeckt ausgezeichnet. Beide Gastgeber legen Wert auf gesunde Ernährung, einen schön gedeckten Tisch und Essen ohne Hektik. „Dieses ständige Essen im Gehen kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Annabel, die ursprünglich aus England stammt, aber sehr lange in Hamburg gelebt hat und akzentfrei Deutsch spricht. Von ihr lernen wir die Bezeichnung „englische Arbeitszeiten“ – er steht für den Arbeitstag mit kurzer Mittagspause und Feierabend um 17 Uhr, auf den am Abend eine warme Mahlzeit folgt. Auch in Deutschland und der Schweiz ist dies immer verbreiteter.

Während des Nachtessens, das ohne Kaffee und Konfitüre an ein Abendbrot erinnert, wie wir es aus Deutschland kennen, sprechen wir ausgiebig über unser aktuelles Projekt, das von Gesprächen und Begegnungen lebt. Außerdem kommen wir bei unserer anregenden Unterhaltung auf die Existenz als Künstler, Ernährungsgewohnheiten in anderen Ländern, ganzheitliche Gesundheitskonzepte, die angebliche „Germanophobie“ der Deutschschweizer und die Beschleunigung des täglichen Lebens zu sprechen.

Wir danken Hans und Annabel für die Einladung an ihren Abendbrottisch, an dem wir uns schnell nicht mehr fremd gefühlt und gemeinsam einen entspannten Abend mit guten Gesprächen verbracht haben.

P.S.: Vom Gastgeschenk, dem „Handkäs mit Musik“, wurde vom Hausherrn mit Neugier, aber nicht unbedingt nachhaltiger Freude gekostet…

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Wurste- und Leberbrot

28. Oktober 2009 - 13:47 Uhr

Zum Abschluß unserer Aufenthalte im Münsterland wurden wir ganz spontan nochmals eingeladen. Familie Lepa brachte dazu eine Herbst- und Winterspezialität auf den Tisch: Wurste- und Leberbrot. Die Münsterländer wissen wohl die Dinge richtig zu kombinieren. Mehr dazu auf http://de.wikipedia.org/wiki/Wurstebrot.

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Als Reinhard Lepa dann noch Reste vom „Kalten Hund“ –  http://de.wikipedia.org/wiki/Lukullus (Süßspeise) – auftischte, waren wir noch ein wenig trauriger, das Münsterland erst einmal wieder verlassen zu müssen.

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 8. Einladung

5. September 2009 - 10:18 Uhr

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8. Einladung: Brochterbeck

18:30 Uhr ist feste Abendbrotzeit bei Familie Gora-Hochstrate. Und heute Abend sind wir mit an den Abendbrottisch der Familie eingeladen. Dies ist gleichzeitig unser letzter privater Abendbrottermin im Rahmen unseres Projektstipendiums im Kreis Steinfurt. Als wir pünktlich erscheinen, ist auch Vater Henri gerade erst von der Arbeit nach Hause gekommen. Eva Gora-Hochstrate und Tochter Linda haben bereits den Tisch gedeckt, und wir dürfen gleich Platz nehmen, denn alle sind hungrig.

Die siebenjährige Linda hat extra für die Gäste einen Blumenstrauß im Garten gepflückt, der nun den Tisch schmückt. Auf der üppig bestückten Abendbrottafel gibt es außerdem Wurst, Käse und Kräuterquark, einen bunten Salat, hartgekochte Eier, selbstgebackene Brötchen, gemischtes Ost, Oliven und Gürkchen. Besonders lecker ist das mit Schafskäse gefüllte, selbstgebackene Weißbrot! Während des Essens sprechen wir lange über die Wichtigkeit von Strukturen, die gemeinsame Mahlzeiten im Familienleben bilden, über den Wert selbstzubereiteter Speisen, private Esskulturen, unser Abendbrotprojekt und partizipatorische Kunst im Allgemeinen. Wir sind erstaunt, mit welcher Offenheit und Sympathie unserem Projekt von Seiten unserer Gastgeber begegnet wird.

Wir danken Eva, Henri und Linda herzlich für die Einladung und den schönen Abend in freundschaftlicher Atmosphäre. Henri sei außerdem gedankt für den neuen Beitrag für das andere (Wort)Archiv. Dankbar wären wir natürlich, wenn das Rezept für das Weißbrot mit Schafskäse in unsere Sammlung  eingehen würde!

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 7. Einladung

28. Juli 2009 - 21:14 Uhr

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7. Einladung: Riesenbeck

Gastgeschenk: Angemachter fränkischer Zwiebeleskäs‘ und hessische „Ahle Worscht“

Eine Abendbroteinladung im größeren Familienkreis steht heute Abend an: um 19.30 Uhr sind wir auf dem BIOLAND-Bauernhof der Familie Gehring in Riesenbeck eingeladen. Ruth und Wolfgang Gehring führen neben der Landwirtschaft mit Schweinehaltung ein Bauernhofcafé und einen Partyservice. Sie haben sechs Kinder, von denen fünf noch zu Hause leben.

Auf dem Bauernhof angekommen bewundern wir das auf der Weide hinter dem Haus grasende Damwild, während Wolfgang Gehring professionell den Grill anwirft. Im Hintergrund tummeln sich noch die Helfer des Bauerncafés, die den Betrieb nach einem langen Sonntag langsam seinem Feierabend entgegenführen. Sonntags herrscht besonderer Andrang im Café – drei Buffets bietet Familie Gehring dann über den Tag an: ein Bauernfrühstück, ein Mittags- und ein großes Kuchenbuffet. Nun klingt der Arbeitstag aus und die Reste des Tages (die nicht danach aussehen!) werden auf den Abendbrottisch der Familie auf die Terrasse hinterm Haus getragen. Am Grill hilft der Praktikant aus Irland, am Tisch die Praktikantin aus Usbekistan – beide jungen Leute leben auch in der Familie.

Schnell sind Fleisch (aus eigener Haltung) und Würstchen fertig gegrillt. Ruth trommelt die Familie zusammen, und rasch sammelt sich die Großfamilie nebst Helfern um den Abendbrottisch. Mit der Großmutter, vier anwesenden Kindern und einem Freund, den beiden Praktikanten und den Eheleuten Gehring nehmen außer uns zehn Personen am gedeckten Tisch Platz! Während des Essens berichtet Ruth von den Abendbrotgewohnheiten der Familie. Außer dem selbstgebackenen Brot, das es immer gibt, sehen die Abendmahlzeiten recht unterschiedlich aus. Im Sommer wird bei schönem Wetter oft gegrillt, warmes Essen herrscht auch sonst vor – gegessen wird zumeist, was in der Gastwirtschaft vom Tage übrig blieb. Heute gibt es zum Gegrillten Tortellini-Salat und einen Salat mit Paprika, Schafskäse, Zucchini, Zwiebeln und Oliven.

Nach dem Essen sind alle schnell wieder verschwunden. „Das ist eigentlich immer so.“, berichtet Ruth. „Eine so große Bande ist nicht lange gemeinsam am Tisch zu halten.“ Während Lea, das Nesthäkchen der Familie um uns herumturnt, erfahren wir viel über den Alltag der Gehrings, der von Landwirtschaft und Gastronomie geprägt ist. Außerdem bekommen wir Einblicke in die regionale Speisekarte, auf der „Rindfleisch mit Zwiebelsoße“, „Töttchen“ und „Herrencreme“ nicht fehlen darf. Zum Abschluss bekommen wir noch eine Führung über das weitläufige Gelände des Hofes mit Gemüsegärten, Strohlabyrinth für die Kinder, Damwild-Weide, Ziegengatter, Schweineställen und einem sehr schönen Biergarten.

Wir danken Ruth und Wolfgang für die Gastfreundschaft und für die Zeit, die sie sich am Ende eines langen Arbeitstages für uns genommen haben. Die BIOLAND-Schweinesteaks waren außerordentlich lecker! Außerdem würde uns die Zusendung der Salat-Rezepte sehr freuen und unsere Sammlung bereichern.

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 6. Einladung

25. Juli 2009 - 11:59 Uhr

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6. Einladung: Mettingen-Schlickelde

Gastgeschenk: Angemachter fränkischer Zwiebeleskäs‘

Um 18.00 Uhr, zur traditionellen Abendbrotzeit, sind wir bei Elisabeth und Thomas Hartmann in Schlickelde eingeladen. Das Wetter ist uns wieder zugetan, und wir nehmen in der Abendsonne auf der Terrasse des ehemaligen Bauernhofes Platz. Die Gastgeber überlassen uns ihre angestammten Plätze, so dass wir auf der Bank sitzend in den ungewöhnlich weitläufigen und schönen Garten schauen können. Ein kleiner Skulpturenpark eingebettet in viel grüne Rasenfläche und versehen mit einzelnen Plastiken von Thomas Hartmann erstreckt sich da vor unseren Augen.

Elisabeth Hartmann bereitet den Abendbrottisch vor. Die aufgedeckten Teller wecken bei mir Erinnerungen an die eigene Kindheit – das Dekor lässt vergangene Abendbrotbilder aufsteigen. Es gibt dreierlei Brot, Käse, Wurst und einen leckeren grünen Salat mit wilden Erdbeeren und Kräutern aus dem Garten. Eines der Brote, ein Roggenschrotbrot, hat Thomas Hartmann selbst gebacken. (Es ist auffällig, wie oft unsere Gastgeber selbst Brot backen!) Das Schwarzbrot, Pumpernickel von Bosse, schmeckt uns besonders gut, da es eher mild ist und hervorragend zum Schinkenbelag passt. Den bei der letzten Abendbroteinladung kennengelernten Wurf-Test (siehe 5. Einladung) würde es allerdings wohl eher nicht überstehen.

Das Abendessen begleiten Gespräche über Kunst, Brotsorten, flügge Kinder, westfälische Spezialitäten und die Mettinger Familie. Gespannt lauschen wir den Erzählungen über „die Firma“, bekannt als Kaufmannsfamilie Brenninkmeijer und Besitzer von C&A.

Nachdem wir mit Wein und Wasser noch eine Weile im Haus am Kamin Platz genommen haben, um uns etwas aufzuwärmen, beschließt ein Einblick in Thomas Hartmanns Atelier – hier gibt es u.a. für die Abendbrotforscher spannende „Honigscheiben“ zu sehen – den anregenden Abend.

Wie danken Elisabeth und Thomas Hartmann für die Gastfreundschaft, das gute Abendbrot und die Tagua-Nuss und würden gerne unser Rezept für den Zwiebeleskäs‘ gegen das für den Salat und das Brotrezept tauschen!

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 5. Einladung

23. Juli 2009 - 16:49 Uhr

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5. Einladung: Ibbenbüren

Gastgeschenk: Hessische „Ahle Worscht“

Pünktlich um 19.30 Uhr sind wir in Ibbenbüren bei unserem Gastgeber Peter Hole, der schon den Abendbrottisch auf der Terrasse gedeckt hat. „Das sieht so aus, wie wir auch sonst im Alltag Abendbrot essen“, betont der bekennende Koch aus Leidenschaft, von dem man den Eindruck hat, er hätte seinen Gästen auch gerne mehr von seiner Kochkunst gezeigt. Aber wir sind froh über die Zurückhaltung und den Einblick in eine alltägliche Essenssituation, wie Peter Hole und seine Lebensgefährtin Anne sie an gemeinsamen Abenden gestalten.

Wir nehmen Platz an dem mit Bedacht gedeckten Tisch (mit Buttermesser!) und lassen uns die Vorspeise, einen Salat, zum Weißwein schmecken. Mit Tomaten und Kräutern aus dem Garten (apart schmeckt der Liebstöckel raus) ist der grüne Salat um Weintrauben ergänzt, die hervorragend zu dem mit Honig abgeschmeckten Dressing passen. „Der Westfale mag es süß“, berichtet der Hausherr, der selber als gebürtiger Schwabe die Soße auch gerne mal saurer zubereitet, mit Blick auf die Lebensgefährtin aus dem Münsterland. Uns schmeckt es hervorragend und die große Schüssel wird schnell leer. Im Anschluss gibt es selbstgebackenes Brot, Aufschnitt, Käse und Radieschen. Abgerundet wird die Abendbrotmahlzeit durch ein Eis mit Schokolade sowie einen Riesling-Schnaps.

Während des ausgedehnten Abendessens plaudern wir angeregt über unser Projekt, Kunstvereinstätigkeiten, Abendbrotgewohnheiten, regionale Mentalitäten und Geschirrvorlieben. Wir erfahren, dass ein wirklich gutes Pumpernickel an der Wand kleben bleiben muss, wenn man es dagegen wirft, und dass wir im Münsterland unbedingt „Beschüten“ beim Bäcker einkaufen müssen. Beim Gespräch über Tischkultur zeigt sich, dass es im Haus geteilte Auffassungen über Buttermesser und Messerbänkchen gibt. Ist das Messerbänkchen nun ein Zeichen für Ärmlichkeit, weil man sich die zweite Garnitur Besteck verkneift, oder ein Ausweis gepflegter Bürgerlichkeit?

Später bekommen wir noch einen Einblick in das im großzügigen Garten befindliche Gewächshaus mit prachtvollen (!) Tomaten. Unsere gemeinsame Leidenschaft für Geschirr beschließt den Abend mit der Betrachtung einiger schöner KPM Stücke.

Wir danken Peter Hole für die Einladung, das gute Abendbrot, die viele Zeit und anregenden Gespräche. Gerne würden wir das Rezept für den leckeren Salat mit Gartenkräutern in unsere Sammlung aufnehmen.

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 4. Einladung

21. Juli 2009 - 18:29 Uhr

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4. Einladung: Greven

Gastgeschenk: „Ahle Worscht“ aus Hessen

Nach einer mehrwöchigen Projektpause sind wir wieder im Münsterland angekommen, um unsere Abendbrotforschung fortzusetzen. Bereits am ersten Abend unseres Aufenthalts sind wir zum privaten Abendessen in Greven eingeladen. Anne Fellenberg, bildende Künstlerin, deckt gleich mehrere zusätzliche Teller auf ihrem Abendbrottisch, denn neben uns sind auch ihr ältester Sohn mit Frau und Enkel Philipp eingeladen. So wird das Mahl bei Fellenbergs zu einem Drei-Generationen-Abendbrot bei sommerlichem Wetter auf der Terrasse.

Die Gastgeberin serviert das sogenannte „Gästeabendbrot“: Quiche und Nudelsalat. Diese Speisen sind eine liebgewonnene Tradition, wenn Besuch zum Abendbrot erwartet wird. Freunde der Familie sagen wohl: „Wenn es dieses Essen gibt, wissen wir immer, wo wir sind!“

Bei Wein und Bier – für den Hausherren gehört ein Glas Wein unbedingt zu einem guten Abendbrot – lassen wir uns das leckere Essen schmecken und reden über die Veränderung der eigenen Abendbrotgewohnheiten. „Eigentlich gestaltet sich das Abendbrot, seit die Kinder aus dem Haus sind, täglich anders. Zeit ist aber ein wichtiger Faktor!“ – so ein Fazit.

Die Planungen zum Abendbrot, das gemeinsam und öffentlich am kommenden Freitag in der direkten Nachbarschaft durchgeführt werden soll, begleiten den Nachtisch – eine erfrischende, regionale Spezialität für Sommertage: Stippmilch.

Wir danken Anne Fellenberg und ihrer Familie für die Einladung, das gute Essen und freuen uns auf das kommende Nachbarschaftsabendbrot. Außerdem würden wir uns sehr über die Rezepte für „Gästequiche“ und Stippmilch freuen!

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 3. Einladung

14. Juni 2009 - 11:34 Uhr

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3. Einladung: Dörenthe

Gastgeschenk: 2 Sorten Wurst (Hessische „Ahle Worscht“, Krakauer)

Ein warmer, sonniger Abend. Und eine Einladung zum Abendbrot. Bei Gerd Andersen und Michael Jezierny ist der Grill schon heiß, als wir gegen 19.00 Uhr in Dörenthe ankommen. Die bekennenden Frischluftmenschen essen – so oft es das Wetter zulässt – draußen, und im Sommer ist das Grillen eines ihrer bevorzugten Abendbrote.

Bei saftig-frischem Bulgursalat mit Gemüse, Petersilie und Minze sowie Münsterländer Lammkotletts vom Markt in Emsdetten (ausgezeichnet!), genießen wir den frühsommerlichen Abend auf der Terrasse. Sehr lecker ist auch das Schweizer Weißbrot mit der extra knusprigen Kruste. Auch Timmi, Gerds schneeflockiger Spitz, nimmt auf dem Rasen dösend am Abendbrot teil und freut sich später über die Reste des köstlichen Lamms.

Nach Obstsalat, Kaffee und Schnaps sitzen wir noch lange um’s Feuer und reden – wie sollte es bei vier Menschen, die sich alle im Kulturbereich bewegen, anders sein – neben Abendbrotgewohnheiten über Kunst und Theater in Münster und Gießen, aber auch über Mentalitäten im Münsterland, gepflegte Vorzeige-Vorgärten und den größten Schrecken der Westfalen: den Maulwurf.

Tak for mad. Det var fantastisk!

Wir danken Gerd, Michael und Timmi für die Einladung und Gastfreundschaft und bitten für unsere Sammlung um die Adressen des Lamm-Metzgers und Weißbrot-Bäckers, sowie das Rezept für den leckeren Bulgursalat.

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 2. Einladung

11. Juni 2009 - 13:58 Uhr

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2. Einladung: Ibbenbüren

Gastgeschenk: Handkäs´mit Musik

Pünktlich um 18.30 Uhr sind wir bei Familie Austermann, die auch sonst regelmäßig um diese Zeit gemeinsam Abendbrot isst. Der Tisch ist schon gedeckt. Gegessen wird von schönen und massiven selbst gefertigten Holzbrettchen, die Jürgen, der Tischler ist, vor etwa 15 Jahren für die Familie hergestellt hat. Die vierköpfige Familie legt Wert auf gemeinsame Mahlzeiten, und die Abendbrotzeit ist die einzige, die dies aufgrund von Berufstätigkeit und langen Schulzeiten mit Ruhe zulässt.

Vater Jürgen bekommt, wie auch sonst am Abend, da er tagsüber außer Haus ist, ein warmes Essen: Nudeln mit Bolognese. Die anderen Familienmitglieder und wir essen klassich Abendbrot mit vielerlei Brotsorten, Käse, Aufschnitt, Kirschmarmelade (die bei Familie Austermann niemals auf dem Tisch fehlen darf!) und Tomaten mit Morzarella. Besonders lecker ist das selbst gebackenen Brot von Jürgen, an dem er eigenen Erzählungen nach lange herumexperimentiert hat, um es in dieser Qualität hinzubekommen.

Wir reden lange und in gemütlicher Atmosphäre über Abendbrotgewohnheiten, das Leben von und mit Kunst und Handwerk und über die Zweckmäßigkeit von Tupperware. Schön ist, dass sich auch die beiden Kinder der Familie, Marie und Till, immer wieder am Gespräch beteiligen!

Wir danken Anke, Jürgen, Marie und Till für die Einladung und Gastfreundschaft und Jürgen ganz besonders für die Überlassung seines 1-A-Brotrezeptes.

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FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 1. Einladung

9. Juni 2009 - 15:49 Uhr

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1. Einladung: Steinfurt

Gastgeschenk: 2 Sorten Wurst (Hessische „Ahle Worscht“ und Krakauer)

Spontan hatte sich Familie Bäumer entschlossen uns zu einem Abendbrot zu sich nach Hause einzuladen. Genauer gesagt, waren es die Kinder der Familie, die diese Einladung am 7. Juni für den darauf folgenden Tag aussprachen. Rebecca und Alexander waren dann auch die Gastgeber des Abends und verantwortlich für den geschmierten Brote-Teller und die Zubereitung des Salates aus dem eigenen Garten. Ganz wie wir es uns erhofft hatten, war ihr liebevoll zubereitetes Abendbrot kein „extraordinäres“ und speziell für die fremden Gäste hergerichtetes, sondern ein alltägliches, wie es regelmässig von der Familie gemeinsam gegessen wird.

Mutter Birgit ergänzt den Broteteller der Kinder spontan um das klassische Münsterländer Schwarzbrot und zeigt uns, wie es traditionell schichtweise mit Butter bestrichen, gestapelt und dann in kleine Dreiecke geschitten wird. Sieht gut aus und schmeckt lecker! Als bestes Schwarzbrot der Region empfiehlt die Familie: Elshoff’s Schwarzbrot.

Bei belegten Broten, Bier und abschließendem Erdbeerboden haben wir uns ausführlich über regionale Wurst- und Brotsorten, Essgewohnheiten, westfälische Spezialitäten, Kunst und Alltägliches unterhalten. Besonders die Erzählungen über die in der Kindheit geliebten „Reibeplätzchen auf Schwarzbrot“ zum Abendbrot haben uns kulinarisch besonders interessiert. Dieses Rezept muss in unsere Sammlung! Insgesamt war der Austausch so nett und entspannt, dass wir nun im Verlauf des Sommers die gemeinsame Planung eines öffentlichen Abendbrots in der Steinfurter Nachbarschaft ins Auge fassen.

Wir danken Rebecca, Alexander, Birgit und Willi für die Einladung, Gastfreundschaft und weitere Kooperationsbereitschaft mit FELDFORSCHUNG ABENDBROT.

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