Idee FELDFORSCHUNG ABENDBROT

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Seit 1999 arbeiten wir, Ingke Günther und Jörg Wagner, neben unserer bildnerischen Arbeit als Künstlerpaar gemeinsam an kontextbezogenen Projekten und ortspezifischen Interventionen im öffentlichen Raum. Agieren mit dem Publikum, Kommunikation und Teilhabe spielen bei diesen Projekten eine große Rolle.

Das verbindende Thema vieler dieser Aktionen ist unter den Stichworten Essen, Gastlichkeit und Küchenkultur zusammenzufassen. Die Bandbreite dieser Arbeiten reicht von Picknickaktionen, die Orte bespielen und kontextbezogen bearbeiten, über Kioskprojekte, die den sozialen Ort und das ästhetische Phänomen Kiosk aufgreifen, bis zu künstlerischen Dienstleistungen wie der HappenBAR, die das Thema Bewirtung neben der Verköstigung um inhaltliche, gestalterische und kommunikative Komponenten erweitern.

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Abendbrot = deutsches Feierabendformat

Warum widmen wir uns gerade dem Abendbrot?

Als Betreiber der FELDFORSCHUNG ABENDBROT haben wir ein grundsätzliches Interesse an Essens-, Küchen- und Alltagskulturen. Das traditionelle (kalte) Abendbrot ist jedoch in unseren Augen, was die tägliche Mahlzeitenfolge angeht, ein besonderes Essen. Es stellt nicht nur eine Spezialität im deutschsprachigen Raum dar, sondern markiert auch die Schnittstelle zwischen Arbeit und Freizeit und ist nicht zuletzt auch aus ästhetisch-formaler Perspektive ausgenommen reizvoll.

Ist in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien aber auch in den USA eine warme Hauptmahlzeit am Ende des Tages üblich, so ist das kalte Abendbrot – mit Graubrot und diversen Belägen – typisch für Deutschland. Auch wenn sich die alltägliche Praxis hierzulande zunehmend verändert, und von Berufstätigkeit geprägte Familien ihre warme Mahlzeit nun auch immer häufiger am Abend einnehmen, ist das „Abendbrot“ immer noch ein feststehender Begriff und mit spezifischen Vorstellungen, Erinnerungen und Essgewohnheiten verbunden. Fragt man Deutsche, die sich für längere Zeit im Ausland aufgehalten haben, was sie während ihrer Abwesenheit am meisten vermisst haben, so nennen sie nicht selten das deutsche Grau- oder Schwarzbrot, ein Butterbrot oder eben ein deftiges aber einfaches Abendessen mit dunklem Brot, Wurst, Käse und Salaten.

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Belegte Brote = Komposition im Alltag

Aus gestalterischer Sicht ist das Abendbrot, als eher schlichte aber dennoch komponentenreiche Mahlzeit, ein Essen, das kompositorische Fragen aufwirft.

Was wird wie zusammengefügt? Womit ist das kombinationsfreudige Grundnahrungsmittel Brot zu belegen? Welches Brot ist das bevorzugte? Welche Form hat es?

Ein schmackhaftes Butterbrot ist das Ergebnis weniger, aber guter Zutaten. Die Frage des Belags ist letztendlich eine des Gaumens aber auch eine des Auges – die saure Gurke auf dem Brot ist eine Abrundung im ästhetischen wie geschmacklichen Sinne. Auch die Frage, ob das fertige Brot lieber auf einem Brettchen oder Teller platziert wird, oder ob der geschmierte Brote-Teller dem gedeckten Tisch vorgezogen wird, sind gleichermaßen Fragen persönlicher Gewohnheiten wie gestalterischer Vorlieben.

Die Untersuchung der Abendbrotkultur ist somit eine vertiefende Hinwendung zu einem Gegenstand: dem „Hauptdarsteller“ Brot und seinen Begleitern. Eine künstlerische Forschung, die deutsche Brot- und Abendbrotkultur regionalspezifisch in den Blick nimmt, ist ein Fortschreiben unserer Leidenschaft für Speisenzubereitung auf der einen und alltagskultureller Phänomene auf der anderen Seite.

Im Mittelpunkt unseres Interesses stehen dabei Fragen nach unterschiedlichen Ritualen, Gewohnheiten, Vorlieben und Veränderungen rund um das alltägliche Abendbrot in Deutschland. Persönliche Präferenzen, Kindheitserinnerungen, regionale und familiäre Prägungen sind hier zu befragen, zu sammeln, zu archivieren und künstlerisch zu bearbeiten.

Abendbrot = Mahlzeit am Ende des Tages

Das Abendbrot markiert den Übergang von der Arbeit zur Freizeit. Es ist die letzte Mahlzeit des Tages und oft die einzige, die man mit ausreichend Zeit und Muße einnehmen kann. Auch wenn die Gewohnheiten rund um das Abendessen ganz unterschiedlich sind, die Option, in Ruhe zu essen oder sich mit seinen Familienmitgliedern auszutauschen, birgt vor allem diese, das Tagesgeschehen kulinarisch abschließende Mahlzeit. Hier spielt, vor allem in Familien, deren Mitglieder sich tagsüber aufgrund von Berufstätigkeit und Schule kaum sehen, das Gespräch eine große Rolle.

Nicht zuletzt dieser wichtige kommunikative Aspekt des Abendessens trägt für uns dazu bei, es in einen besonderen Fokus zu rücken.

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Abendbrotmobil = Forschungs- und Produktionsort

FELDFORSCHUNG ABENDBROT versteht sich als mobile Küche, als reisender Imbiss, als Forschungseinrichtung, Archiv und kommunikativer Ort, der sich auf den Weg macht. Vehikel der mobilen Küche ist ein bedürfnisgerecht ausgestatteter Wohnwagen. Mit diesem bereisen wir unterschiedliche Regionen Deutschlands (beginnend mit dem Münsterland und im Rahmen des Projektstipendiums KunstKommunikation 09 des DA Kunsthauses Kloster Gravenhorst), um Nachforschungen zur alltagskulturellen Wirklichkeit des Abendbrots zu betreiben.

Gleichzeitig dient der Wohnwagen als Aktionsort: hier wird zum Abendbrot eingeladen. Wir nutzen den Stadtraum als erweiterten Privatraum, um mit eigenen kulinarischen und kommunikativen Abendbrotangeboten vor Ort mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Gezielt auf eine Kultur des Beisammenseins setzend, treffen wir dabei sowohl unangekündigt auf ein Zufallspublikum, als auch auf gezielt eingeladene Nachbarschaften.

So taucht die mobile Abendbrotküche mal als intervenierender Imbiss auf, mal ist sie Initiator und Kernstück eines öffentlichen Abendessens.

Feldforschungsergebnisse = Ausstellung + Künstlerbuch

FELDFORSCHUNG ABENDBROT mündet nach seiner ersten Etappe durch das Münsterland in einer Ausstellung und einem Künstlerbuch, die durch das Projektstipendium des DA Kunsthauses Kloster Gravenhorst gefördert werden. Hier werden die Ergebnisse des Projektes versammelt und künstlerisch bearbeitet zusammengefasst.

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