Abendbrotnotizen

3. September 2009 - 14:41 Uhr

abendbrotnotizen-(1-von-1)

Individuelle Abendbrotkultur in Ibbenbüren, Rheine, Steinfurt, Greven, Lengerich, Mettingen

„Manchmal kommen mein Mann und ich relativ spät von der Arbeit nach Hause. Dann ist es die Aufgabe der Kinder, das Abendbrot zu machen. Sie schmieren dann für die ganze Familie große Abendbrotteller mit belegten Broten, die sie sehr liebevoll dekorieren. Gegessen wird immer gemeinsam.“

„Das Abendbrot hat sich völlig verändert, seitdem die Kinder aus dem Haus sind. Als wir noch zu viert waren, gab es feste Zeiten und abends das klassische kalte Abendbrot. Nun gibt es kaum noch Rituale und Regelmäßigkeiten. Wir machen uns unser Abendessen sehr individuell und essen auch gar nicht immer zusammen. Ich schmiere mir oft ein paar schnelle Brote in der Küche, während mein Mann das Abendessen eher zelebriert und sich immer etwas Besonderes macht.“

„Auf unserem Abendbrottisch darf auf keinen Fall Kirschmarmelade fehlen!“

„Da ich berufsbedingt häufig sehr spät von der Arbeit nach Hause komme, findet ein  Abendbrot zuhause für mich eigentlich nicht statt. Meine Muße-Mahlzeit ist eher das Frühstück.“

„Das kalte Abendbrot, wie ich es aus meiner Kindheit kenne, spielt eigentlich erst wieder eine Rolle, seit wir selber Kinder haben. Seitdem gibt es ganz feste Zeiten, wir essen alle zusammen und sprechen über das, was wir den Tag über erlebt haben.“

„Das Abendbrot sieht bei uns ganz unterschiedlich aus. Eine Konstante ist allerdings, dass es immer etwas Frisches aus meinem Garten gibt.“

„Selbstgebackenes Brot darf auf unserem Abendbrottisch nicht fehlen. Alleine wegen des guten Brotes essen wir jeden Abend mit Freude kalt.“

„Früher gab es bei uns mittags häufig Reibeplätzchen. Die restlichen wurden dann abends kalt aufs Brot gelegt und gegessen. Das schmeckt unheimlich lecker und ich mag es heute noch gerne essen.“

„Wir essen abends alle gemeinsam. Das ist uns sehr wichtig, weil das Abendessen die einzige Mahlzeit ist, wo das geht, weil tagsüber alle unterwegs sind. Wir haben aber keine festen Zeiten. Das richtet sich danach, wann wir – mein Mann, ich und unsere drei Töchter – zuhause sind. Auch was wir essen, ist sehr unterschiedlich. Es gibt manchmal Brot, aber meistens doch etwas Warmes zu essen.“

„Brot nehmen wir beide, meine Frau und ich, mit zur Arbeit. Abends muss es dann eine warme Mahlzeit geben.“

„Wir haben keine festen Abendbrotgewohnheiten abgesehen von der Zeit – Abendbrot gibt es bei uns immer gegen 18.30 Uhr. Unsere Abendbrote sehen sehr unterschiedlich aus: mal wird gekocht, mal gibt es Reste vom Mittag, mal Brote. Wichtig ist uns allerdings, dass wir gemeinsam mit ausreichend Zeit essen. Außerdem legen wir Wert darauf, Speisen selber zuzubereiten. Ich koche gerne oder backe selber Brot und probiere dabei neue Dinge aus. Fertigprodukte gibt es eigentlich nicht.“

„Bei uns unterscheiden sich die Abendbrotgewohnheiten zwischen Alltag und Wochenende. Unter der Woche essen wir kalt – ganz klassisch: Brot, Aufschnitt und oft etwas Frisches wie Salat dazu. Am Wochenende fällt durch das spätere Aufstehen die Mittagsmahlzeit weg. Wir frühstücken lange und essen dann abends warm.“

„Als Junggeselle schmiere ich mir abends immer Stullen und trinke dazu gerne ein Bier.“

„Wir reden viel beim Abendessen. Die Schule ist dann allerdings kein Thema mehr. Schulsachen müssen die Kinder gleich loswerden, wenn sie aus der Schule kommen. Beim Abendessen ist dann Raum für andere Gespräche.“

2 Kommentare » | Abendbrotnotizen, Allgemein, Projekt KunstKommunikation 09, DA-Kunsthaus

FELDFORSCHUNG ABENDBROT privat, 7. Einladung

28. Juli 2009 - 21:14 Uhr

hof-gehring-6hof-gehring1hof-gehring

hof-gehring-2hof-gehring-52hof-gehring-4

7. Einladung: Riesenbeck

Gastgeschenk: Angemachter fränkischer Zwiebeleskäs‘ und hessische „Ahle Worscht“

Eine Abendbroteinladung im größeren Familienkreis steht heute Abend an: um 19.30 Uhr sind wir auf dem BIOLAND-Bauernhof der Familie Gehring in Riesenbeck eingeladen. Ruth und Wolfgang Gehring führen neben der Landwirtschaft mit Schweinehaltung ein Bauernhofcafé und einen Partyservice. Sie haben sechs Kinder, von denen fünf noch zu Hause leben.

Auf dem Bauernhof angekommen bewundern wir das auf der Weide hinter dem Haus grasende Damwild, während Wolfgang Gehring professionell den Grill anwirft. Im Hintergrund tummeln sich noch die Helfer des Bauerncafés, die den Betrieb nach einem langen Sonntag langsam seinem Feierabend entgegenführen. Sonntags herrscht besonderer Andrang im Café – drei Buffets bietet Familie Gehring dann über den Tag an: ein Bauernfrühstück, ein Mittags- und ein großes Kuchenbuffet. Nun klingt der Arbeitstag aus und die Reste des Tages (die nicht danach aussehen!) werden auf den Abendbrottisch der Familie auf die Terrasse hinterm Haus getragen. Am Grill hilft der Praktikant aus Irland, am Tisch die Praktikantin aus Usbekistan – beide jungen Leute leben auch in der Familie.

Schnell sind Fleisch (aus eigener Haltung) und Würstchen fertig gegrillt. Ruth trommelt die Familie zusammen, und rasch sammelt sich die Großfamilie nebst Helfern um den Abendbrottisch. Mit der Großmutter, vier anwesenden Kindern und einem Freund, den beiden Praktikanten und den Eheleuten Gehring nehmen außer uns zehn Personen am gedeckten Tisch Platz! Während des Essens berichtet Ruth von den Abendbrotgewohnheiten der Familie. Außer dem selbstgebackenen Brot, das es immer gibt, sehen die Abendmahlzeiten recht unterschiedlich aus. Im Sommer wird bei schönem Wetter oft gegrillt, warmes Essen herrscht auch sonst vor – gegessen wird zumeist, was in der Gastwirtschaft vom Tage übrig blieb. Heute gibt es zum Gegrillten Tortellini-Salat und einen Salat mit Paprika, Schafskäse, Zucchini, Zwiebeln und Oliven.

Nach dem Essen sind alle schnell wieder verschwunden. „Das ist eigentlich immer so.“, berichtet Ruth. „Eine so große Bande ist nicht lange gemeinsam am Tisch zu halten.“ Während Lea, das Nesthäkchen der Familie um uns herumturnt, erfahren wir viel über den Alltag der Gehrings, der von Landwirtschaft und Gastronomie geprägt ist. Außerdem bekommen wir Einblicke in die regionale Speisekarte, auf der „Rindfleisch mit Zwiebelsoße“, „Töttchen“ und „Herrencreme“ nicht fehlen darf. Zum Abschluss bekommen wir noch eine Führung über das weitläufige Gelände des Hofes mit Gemüsegärten, Strohlabyrinth für die Kinder, Damwild-Weide, Ziegengatter, Schweineställen und einem sehr schönen Biergarten.

Wir danken Ruth und Wolfgang für die Gastfreundschaft und für die Zeit, die sie sich am Ende eines langen Arbeitstages für uns genommen haben. Die BIOLAND-Schweinesteaks waren außerordentlich lecker! Außerdem würde uns die Zusendung der Salat-Rezepte sehr freuen und unsere Sammlung bereichern.

Kommentieren » | Allgemein, Projekt KunstKommunikation 09, DA-Kunsthaus, Zu Gast: Abendbrotforschung privat