Feldforschung Abendbrot vor Ort, Greven

25. Juli 2009 - 12:10 Uhr

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Der Wetterbericht hat für die Abendstunden Starkregen angekündigt. Ein Gewitter liegt schon hinter uns, als wir im Kloster Gravenhorst aufbrechen, um mit dem Abendbrotmobil nach Greven zu fahren. Dort angekommen empfängt uns erst einmal ein strahlender Himmel. Doch das Bild trügt – kaum haben wir aufgebaut, spült uns ein starkes Gewitter wieder in den sicheren Schutz unseres Wohnwagens. Kurz nach 18.00 Uhr – dem offiziellen Beginn unserer Aktion vor Ort – reißt der Himmel aber auf; das Gewitter ist vorbeigezogen.

Der dunkel drohende Gewitterhimmel hat aber wohl so manche Nachbarn verschreckt, die von unserer Mitgastgeberin Anne Fellenberg eingeladen wurden (oder ist es etwa das merkwürdige Abendbrotvorhaben der Akteure?). Doch nach und nach finden sich die Gäste ein und die, die kommen, sind neugierig und verweilen lange. Zusammen lässt man sich am größten der Tische nieder, isst Brote und tauscht sich aus. Was es mit dem Projekt auf sich hat, ist eine zentrale Frage. Wir antworten gerne und fragen im Gegenzug nach Kindheitserinnerungen. Bei geschmierten „Reiterchen“ (unserer Kindheitserinnerung) erfahren wir einiges über die von Mangel geprägten Kindheitsabendbrote der vorwiegend älteren Anrainer.

Besonders lecker sind die Pumpernickel-Käse-Rosinenbrot-Sandwiche, die Anne auf einer großen Platte anbietet. Süß-herb im Geschmack, skulptural ansprechend und für uns völlig neu in dieser Kombination sind die von ihr so getauften Münsterländer „Dreispitze“. Helmut, Annes Ehemann, bereichert später die Abendbrotgesellschaft mit gutem Rot- und Weißwein (den der Sohn Dirk gerade erst aus Hamburg importiert hat), und das Abendbrot bekommt nun den Charakter einer kleinen Feier unter Freunden.

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Ein besonderer Moment des Abends: eine Nachbarin stößt später zu der geselligen Runde dazu und bringt auf einem Tablett ein arrangiertes Abendbrot-Stillleben mit, das in eindrücklicher Weise die Veränderungen der Abendbrotgewohnheiten der vergangenen 50 Jahre zeigt. Ein schlichtes Abendessen steht für 1959: Holzbrettchen, schlicht belegtes Brot und eine Tasse starker schwarzer Tee. Stellvertretend für die international gewordenen Abendbrotgewohnheiten des Jahres 2009 dagegen: ein Glas Weißwein und italienische Bruschetta mit gehackten Tomaten. Wir sind begeistert über diesen spontanen und bildhaften Beitrag zur Abendbrotforschung!

Wir danken Anne und Helmut für die Unterstützung, den freundschaftlichen Austausch, das überlassene Quiche-Rezept und die prima Dreispitzbrote! Außerdem ein Dankeschön an die Nachbarschaft, mit denen wir einen schönen Abendbrotabend verbracht haben.

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